Aus Sorge, Kinder emotional und kognitiv zu überfordern, wird politisches und historisches Lernen – insbesondere zum Themenfeld Nationalsozialismus und Holocaust – in der Regel auf eine spätere Phase in deren Entwicklung verschoben. Dabei haben Kinder bereits im frühen Alter Fragen an die Vergangenheit, begegnen ihnen doch vielerorts Bilder, Anspielungen und Umgangsweisen damit. Um sie mit ihren Fragen nicht allein zu lassen und überdies Gefahr zu laufen, dass sich falsche Vorstellungen mangels Korrektur festsetzen, haben wir 2021 ein dreitägiges Bildungskonzept für Schüler:innen der 4. Klassen entwickelt.
Der besondere Fokus liegt dabei auf einem altersgerechten Zugang, ohne die historischen Fakten zu verharmlosen. Anhand von Biografien jüdischer Kinder in Leipzig sollen die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf die Menschen, die Veränderung ihres Alltags und den Verlauf ihres Lebens sichtbar gemacht werden. Darüber hinaus sollen die Kinder dazu ermutigt werden, Respekt und Zivilcourage in ihrem Alltag zu leben. Unsere Methoden konnten wir im selben Jahr mit einer Grundschulklasse ausprobieren. Dabei zeigte sich, dass deutlich mehr Vorwissen bei den Kindern vorhanden war als im Vorfeld angenommen und gleichzeitig das Interesse an unseren Inhalten stark ausgeprägt. Die Erkenntnisse aus dem Probedurchlauf sind in die Weiterentwicklung unseres Konzepts eingeflossen, das wir inzwischen mit 30 Grundschulklassen von vier Leipziger Grundschulen umsetzen konnten (Stand 2025).
Um das Thema der historischen-politischen Bildung in der Grundschule noch weiter zu vertiefen und zu verstetigen, führten wir 2022 begleitend zu den Workshops eine Befragung der teilnehmenden Schüler:innen und unter pädagogischen Fachkräften durch. Diese sollte Aufschluss über die Bedeutung und den Bedarf von historisch-politischer Bildung in der Grundschule geben, wobei ein Schwerpunkt auf der Beschäftigung mit der Geschichte des Nationalsozialismus lag. Die aus den Umfragen gewonnen Ergebnisse sowie die Erfahrungen der Workshops haben wir aufbereitet und pädagogischen Fachkräften im Rahmen einer digitalen Publikation zugänglich gemacht.
Um Kinder mit geringer Lesekompetenz zu unterstützen und die Lerninhalte barriereärmer aufzubereiten, ließen wir 2025 das Herzstück unseres Projekts, die Biografietexte, von professionellen Sprecher:innen einsprechen. Durch diese einfache wie sinnvolle Maßnahme ließ sich nicht nur das Textverständnis und die methodische Vielfalt fördern, sondern auch die Motivation der Kinder nachhaltig stärken. So konnten wir ihnen einen selbstbewussteren Zugang zu historischen Themen ermöglichen.
Unser Konzept konnten wir inzwischen bei diversen Fachaustauschen vorstellen. Dabei haben wir durchweg positive Resonanz und viel Bestätigung für unseren pädagogischen Ansatz erfahren, aber immer auch wertvolle Impulse mitgenommen, die wir in die stetige Weiterentwicklung unseres Projekts einfließen lassen.






